Bericht Aus Info 100, Januar 2000

Never ending story

von Stephan Berger


Es war einmal vor vielen Jahren, im letzten Jahrtausend, exakt 1988 n.Ch. .........meinen Spitfire 1500 MK 4 habe ich mir 1988, während meinem siebenwöchingen USA-Aufenthalt in Los Angeles / California gekauft.
Ich suchte damals ein günstiges, fetziges, wendiges und preiswertes Fahrvergnügen. Gesagt getan, für 700 US Dollar ( ca. 1.400.-DM) kaufte ich mir den Spitfire von einem älteren Ehepaar aus erster Hand in Manhattan Beach/Los Angeles. Der Spitfire machte einen guten Eindruck, trotz seiner 13 Jahren, die er damals auf dem Buckel hatte. Mit 40.500 Miles stand er wirklich noch gut da.
Meine Frau (damals Freundin) Kerstin und ich nutzen den Spitfire in den verbleibenden 6 ½ Wochen ganz gut.

Los Angeles, San Francisco, Nappa valley, 17 miles drive, Las Vegas, Grand Canyon, Bryce Canyon, San Diego, sogar in Mexico´s Baja California waren wir mit dem Spitfire. Niemals machte er Mucken. Nachdem ich wieder in Esslingen zurück war, nutzte Kerstin den Wagen noch bis Oktober in Los Angeles.
Dann ging er in einem Container über den großen Teich nach Hamburg. Nachdem wir dann die Nachricht von der Ankunft im Hamburger Hafen erhielten, begann das, was man sich nie gewünscht hatte.........

In einer nächtlichen Zugfahrt Anfang Dezember 1988 von Esslingen nach Hamburg überwand ich die Distanz ganz gemütlich im Waggon der Bahn. In Hamburg suchte ich meinen Spediteur auf. Das Fahrzeug aus dem Hafen zu bekommen war recht einfach. Nach einigen Zollformalitäten wurde mir der Wagen ausgehändigt.
Während dem Transport aus den USA bis Hamburg wurde der Wagen schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Verdeck aufgeschlitzt und hinten rechts eine große Delle im Kotflügel. Laut dem Spediteur hatte ich noch Glück, denn manchmal werden die Fahrzeuge einfach im Container durch die Reifen hindurch auf dem Holzboden im Container festgenagelt. Folge wären dann immer 4 Platte Reifen. Glück gehabt!!

Die Fahrt nach Esslingen verlief problemlos. Ca. 100 Meter vor der Ausfahrt Esslingen ging mir der Sprit aus, Tankuhr war halt defekt und zeigte nicht den richtigen Stand an.
Nach kleineren technischen und optischen Renovierungsarbeiten im Frühjahr 1989 konnte ich das Fahrzeug dann endlich nach einigen Hürden beim deutschen TÜV zulassen. Der Katalysator aus den USA wurde in Deutschland nicht anerkannt, obgleich schon damals in Californien die schärfsten Abgasnormen galten.

Mein Cousin sagte mir bei der technische Durchsicht als er den Öleinfülldeckel abschraubte:" fahr nicht zu heftig mit dem neuen Öl, denn der Motor hat leichte Ölverschlammung." Das Wochenende wollte ich bei Kerstin in Heilbronn verbringen. Wir hatten etwas Zoff, doch am Abend lief "Jenseits von Afrika" und wir wollten uns diesen Film gemeinsam ansehen und wieder versöhnen. Ruck-Zuck war der Spitfire mit dem Nötigsten beladen. Ganz wichtig jedoch war der Fernseher, der auf dem Beifahrersitz Platz fand.

Das war zuviel für den Spitfire....... dieser Streß.........Der Spitfire hat dieses Wochenende nicht überstanden. Auf der Fahrt nach Heilbronn auf der Autobahn bei Ludwigsburg fing plötzlich der Motor an laut zu klingeln...., damals noch unerfahren, hielt ich nur kurz an und der Motor starb sofort ab. Nach heftigen Orgeln mit dem Anlasser gelang mir wieder die Inbetriebnahme. Ich kam noch bis ins Zentrum nach Heilbronn. An der Hauptampel vor der damaligen amerikanischen Kaserne gab es plötzlich einen lauten Schlag.
Born in the USA.... Ein Pleuel hatte nach heftigen Bewegungen den Weg in die Freiheit gefunden. Leider durch das Motorgehäuse. Das Loch war faustgroß. Ich rief Kerstin an und schilderte Ihr mein Mißgeschick. "Jenseits von Afrika" rückte in unendliche Ferne. Kerstin holte mich ab und der gerufene ADAC brachte meinen Spitfire nach Esslingen. Im Huckepack.

Einen kompletten Motor bekam ich über einen Kontakt zum Spitfireclub in Göppingen. Ein Spitfire-Freak (Uwe Eisenmann) wollte wenige Tage später nach England fahren, um Ersatzteile zu holen. Die Bestellung gab ich sofort auf. Außerdem benötigte ich weitere diverse Kleinteile.
Tage vergingen und nach dem Empfang der Teile konnte ich mit meinem Cousin den neuen Motor dann wieder einbauen.

In den folgenden Jahren machten wir Touren an den Gardasee, nach Südfrankreich und die Vogesen. Südspanien mit Gibraltar und Portugal waren der Höhepunkt. In Zentralspanien hatten wir Temperaturen von über 40°C, das Verdeck war größtenteils in geschlossenem Zustand. Es war einfach zu heiß.
Auf der Heimfahrt in Spanien verlor ich plötzlich eine Schraube am Vergaser. Spritgeruch machte sich breit. In Tordesillas blieb der Spitfire wegen Spritmangel dann liegen. Wiederum wurde der ADAC bemüht, der aber nach dem Telefongespräch nicht sehr happy über "diese alte Karre" war. Trotz Hinweis, daß es sich beim Spitfire um ein englisches Fahrzeug handle, kam der spanische "hochmotivierte" Techniker ohne geeignetes Werkzeug. Zollschrauben kannte er nicht einmal vom Hörensagen. Da er den Spitfire Vor Ort nicht reparieren konnte, wurde er abgeschleppt.

2 Nächte auf dem nahegelegenen Campingplatz waren gesichert. Dann wurde der Spitfire "repariert". Die Schraube sollte ca. 2 Jahre halten, bis sich diese im frühmorgentlichen Berufsverkehr auf der B 10 vor der Wilhelma in Bad Cannstadt verabschiedete. Viele freundliche Autofahrer winkten mir "verständnisvoll" zu und grüßten, als der Spitfire auf der Mittelspur stehen blieb. Das war ein Spaß.
Doch zurück nach Spanien. Die Heimfahrt konnte also weitergehen. Bis Esslingen gab es dann keine weiteren Probleme. In den folgenden Jahren bewies der Spitfire was in Ihm steckt.

Die Hochzeitsreise in die Toskana und nach Umbrien im Sommer 1992 überstanden wir alle gemeinsam ohne Mängel.

Im Jahr1997 auf der Fahrt in die Toskana verabschiedete sich die Batterie am Comer-See. Zu spät merkte ich, daß die Lichtmaschine (Regler) defekt war. Während diesem Urlaub mußte ich ca. 3 - 4 Liter bestes italienisches destilliertes Wasser nachschütten.
In der Toskana dann angekommen wollte dich Dichtung am Kupplungszylinder nicht mehr dicht sein. Beim Startversuch am frühen morgen trat ich ins leere. Zuerst dachte ich an Diebstahl, doch das Pedal war noch da. Fiel aber bei leichter Betätigung voll durch. Ja, ja, der ADAC. Gut wenn man Freunde hat. Wieder wurde der Spitfire auf einen Abschleppwagen gezogen. Dies erwies sich als äußerst schwierig, da wir natürlich den Platz mit der besten Aussicht ganz oben im terrasierten Campingplatz hatten. Außerdem war der Spitfire sehr schräg am Hang geparkt.

Nach 30 minütigem Quälen war dann der Abschleppwagen hinter meinem Spitfire. Los ging´s. Vom Beifahrersitz des LKWs aus konnte ich bei der Fahrt zu einer autorisierten ADAC-Werkstatt an einer Werkstatt, die nur ca. 100 Meter vom Campingplatz entfernt war, in einer Ecke einen Spitfire erkennen. Weiter stand da ein Buckel-Volvo und andere Oldies. Ich versuchte den ADAC-Schlepper-Fahrer zum anhalten zu bewegen. Nada !! Er mußte mich ja in die autorisierte Werkstatt bringen. Dort um kurz vor 12 Uhr angekommen, versuchte man mir deutlich zu machen, daß man sich an so einem Auto sowieso nicht auskennt und in 15 Minuten ja sowieso Mittagspause sei. Ich sollte so gegen 15 Uhr wieder kommen, bis dahin könne ich aber in der Kneipe, die natürlich nur rein zufällig einem Bruder des Werkstattbesitzers gehörte, eine Kleinigkeit zu mir nehmen. Auf eigene Kosten, si claro.

Mit Hilfe meines kleinen Langenscheidts Sprachführer Italienisch, konnte ich unter Zuhilfenahme meiner Beine und Hände den freundlichen Mechaniker doch dazu bewegen, einen kurzen Blick unter den Spitfire zu werfen.
Kopfschüttelnd kam er wieder unter dem Auto hervor. Nichts zu machen... und außerdem ist ja jetzt Mittagspause. Durch Winken mit mehreren Tausend-Lire-Scheinen signalisierte ich Ihm, daß ich das Problem jetzt doch noch vor der Mittagspause gelöst haben wollte. Er verkaufte mir für gutes Geld einen halben Liter Kupplungsflüssigkeit, die er sogar noch teilweise in den dafür vorgesehenen Behälter im Spitfire kippte.

Die Rückfahrt zum Campingplatz verlief komischerweise ohne Flüssigkeitsverlust. Am Nachmittag versucht ich mein Glück an der Garage oberhalb des Campingplatzes. Der Mechaniker strahlte, als er den Spitfire sah. Nun mußte ich mir seine Sammlung ansehen. Alle hat er selbst restauriert. Dann kam ich dazu, ihm mein Problem zu zeigen.
Null Problemo..... mit wenigen Handgriffen hatte er den Zylinder ausgebaut, nachdem er den Spitfire auf die Hubbühne gefahren hatte. Bei Austin Rover in Pogi Ponsi konnte er das Teil besorgen. Dazu mußte er aber selbst dort hin fahren.
Am nächsten Morgen war der Spitfire wieder einsatzbereit. Wir hatten noch viel Freude in der Toskana. Die Rückfahrt nach Deutschland verlief wieder ohne Probleme. Außer Nachfüllen des Destillierten Wassers.

Der Spitfire schlummerte jetzt so vor sich hin. Ca.1 - 2.000 km pro Jahr, mehr wurde ihm nicht zugemutet. Im Sommer 1999 traf uns dann das Schicksal sehr hart. Zuerst wurde mein Opel Omega das Opfer eines Unfalls. Kurze Zeit später wurde der Fiat 500 meiner Frau Kerstin ebenfalls Opfer eines Frontalaufpralls. Eine ältere Frau versuchte einem parkenden Auto auszuweichen. Leider hat die Gute nicht gesehen, daß wir da waren. Bei beiden Unfällen, an denen wir nicht schuldig waren, wurden wir wieder vom ??? na klar ADAC abgeschleppt.

Nachdem wir den ADAC-Mietwagen zurückgegeben hatten sollte nun die große Stunde des Spitfires kommen. Ich war auf dem Weg nach Bad Wildbad im wunderschönen Schwarzwald. Ein Kunde erwartete mich. Übers Handy teilte ich Ihm mit, das ich ca. 10 Minuten später kommen würde. Ich hatte bergauf für längere Zeit verschiedene Traktoren und LKW´s vor mir. Ca. 1 Km nach Calmbach, kurz vor Wildbad, machte sich wieder ein Klingeln bemerkbar. Da liefen mir wieder die Bilder von 1989 durch den Sinn. Das Ende dieses Filmes war mir ja bekannt. Geistesgegenwärtig trat ich die Kupplung. Der Motor ging sofort aus. Mit der Restgeschwindigkeit rollte ich noch geradeso in einen Parkplatz, ca. 300 Meter vom Kunden entfernt.
Wieder nutzte ich die modernen Kommunikationstechniken. Ich teilte dem Kunden per Handy mit, daß ich mit einem Motorschaden kurz vor seiner Firma stehe. Zum Termin ging ich den Rest zu Fuß mit allen Unterlagen, samt einer Meßlatte, die ich benötigte. Nach dem Termin telefonierte ich wieder mit ??? dem ADAC. Nach ca. ½ Stun-de kam ein freundlicher Gelber Engel.
Nach einmaligem Orgeln war auch ihm alles klar :"Aufladen und ab nach Esslingen." Die Nachmittagstermine mußte ich aus bekanntem Grunde absagen. Das Geheimnis des Klingelns war schnell gefunden.
Die Kolbenringe im hinteren Kolben (Nr.4) waren gebrochen. Die Ringe hatten sich schon leicht im Kolben eingebrannt. Die Toleranz der Nutbreite und die der Kolbenringe war "etwas groß".

pleuel_s

Unter Zuhilfenahme meines Cousins Michael und Markus aus dem Spitfire-Club Stuttgart konnte der Motor über mehrere Wochen hinweg wieder instandgesetzt werden. Neue Kolben inkl. Speziell angefertigten Kolbenringen, Kleinteile und Pleuellager mußten her. Nach dem Zusammenbau sprang der Spitfire wieder zügig an.
Nun gings zur Testfahrt. Fast alles neu. Die Zeichen standen gut.

Bei Markus in Cannstadt angekommen, wollte Markus nur noch kurz mal die Zündung optimieren. Er sprang an, lief aber nicht richtig rund, obwohl die Einstellung stimmte. Unter lautem Geknatter und nur mit Hilfe des Abschleppseiles sprang der Spitfire nach einer weiteren Einstellung kurz an. Nach ca. 500 Meter Fahrt nahm das Ganze wieder ein jähes Ende. Mehrere Tage stand der Spitfire wieder in der Garage.
Alles wurde geprüft, doch der Spitfire strafte uns mit Stillstand. Er wollte nicht anspringen. Bis Markus dann merkte, daß etwas mit der Kompression nicht stimmte. Die Zylinderkopfdichtung eines namhaften Spitfireteileladens hatte sich verabschiedet. Der Bereich (Steg) zwischen 2 Zylindern war einfach weg.
So etwas hatte noch niemand gesehen. Eine neue Dichtung sollte Abhilfe schaffen. Los ging´s. Zuvor hatten wir auch noch die Wasserpumpe gewechselt. Die Alte lief nicht mehr richtig rund.

Samstags auf dem Weg nach Zell hörte ich ein leichtes Brummen aus dem vorderen Bereich des Spitfires. Bevor ich noch in eine Parkbucht einscheren konnte gab es einen lauten Schlag und irgend etwas fing an zu zischen.
Kurz die Haube geöffnet und ich sah, daß sich der Viskolüfter verabschiedet hatte. Der Lüfter hing im Kühler. Toll. Glücklicherweise hatte ich eine größere Menge Wasser im Kofferraum. So gelang mir mit wild zischendem Kühler die Heimfahrt zurück nach Esslingen.
Der Kühler war schnell ausgebaut. Schließlich hatte ich darin jetzt Übung. Den Kühler konnte ich dank guter Beziehungen wieder kostengünstig reparieren lassen. Seit November 1999 steht der Spitfire abgemeldet in der Garage. Im Sommer 2000 werde ich einen neuen Fahrversuch starten.

Ach ja, die verschiedenen Kreuzgelenke die ich in den Jahren gewechselt habe, wurden nicht aufgeführt.

Bis Bald
Stephan
aus Esslingen

Vielen Dank nochmals an Michael und Markus und all die anderen die mir immer wieder helfen und geholfen haben. Copyright 1.SCDs 2000




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