Bericht Aus Info 102, August 2000

Bericht als Word- Dokument mit Farbbildern (Vorsicht, 1,3 MB)

Text von Edgar Gerzer

Schon im Vorfeld zeichnete sich, zumindest in München, dieses große Ereignis auf dem Hof der Firma Berger ab. Der Bedarf an Ersatzteilen für längst nötige Reparaturen und um noch unnötigen Leerraum in den Kofferräumen zu stopfen, ließen den Parkplatz zu einem kleinen inoffiziellen Süddeutschlandtreffen werden.

Entgegen unserer uralten Tradition, am Donnerstag gegen 1 Uhr gen Süden zu stechen, beschlossen wir, noch ein Mützchen Schlaf zu nehmen und "erst" um 4 Uhr aufzusatteln. Hajö hatte seine erste Etappe mit 794,6 Km (Pinneberg - München) schon erfolgreich absolviert und war so auf die kommende Nachtprüfung recht gut vorbereitet.

Phantastische 5 Spitis trafen sich also noch vor Morgengrauen, verbündeten sich bei Wolferlhausen mit weiteren Zweien (und einem assoziierten TR 7). Der Start der 8 Musketiere verlief vom Anfang der schier nicht enden wollenden Lichterkette gesehen zunächst ganz gut, doch erst nach Garmisch erfuhr ich, daß Klausens MK 2 mehr Sprit verlangte, als ihm die Versorgungsleitungen zur Verfügung stellen wollten. So legten wir an der Grenze zum Nusserland eine kleine Rast ein. Doch es schmerzte sehr, sich ansehen zu müssen, wie minütlich Dutzende als Wohnmobile getarnte Pommesbuden an uns vorbeizogen, um am klassischen Brennerstau einfach vor uns zu stehen. Wieder komplett donnerten die 8 kleinen Engländer durch das noch verschlafene Innsbruck, weckten die Wegelagerer in den leicht bleivergifteten Bergdörfern, und schafften es unversehrt, die Türen erst wieder auf der italienischen Seite des Brenners zu einem ausgiebigen Frühstück und -schoppen zu öffnen. Zu blieben angesichts der knackigen Außentemperatur die meisten Dächer- bis auf Hajö's, aber das war ja schon seit Pinneberg offen (harte Sau!).
Ein dumpfes Grollen der anrollenden 1. Welle auf der Autobahn und der dichter werdende Strom der Pommesbuden auf unserer Landstrassenseite zwangen uns zu erneutem Aufbruch. Doch leider zu spät! Der Wirstehen5kmvordersterzingmautstelle Klassiker hatte uns erwischt. Der Stau gab uns aber die Gelegenheit die Dächer dann doch zu öffnen und die Morgensonne in nettem Panorama zu genießen.

12500 Lire später verließen wir das Gedränge auf der Autobahn und stürmten in Mezzocorona eine typische Hafenkneipe zum Konsum diverser Kaffeebohnenspezialitäten. Aufmerksamkeit war angesagt, denn nun folgte die Bergprüfung Richtung Andalo.

Klarer Sieger war wieder Team Klaus & Linda auf MK 2, die es trotz akutem Spritmangel an den Vergasern schafften, diese Etappe zu beenden.

Mit ein paar "wir lassen Klausens motornahe Benzinleitungen und Schwimmerkammern abkühlen" Pausen erreichten wir erheblich ausgetrocknet gegen 10 Uhr Tenno; naja, die Ortskundigen stoppten in Ballino, drei Ausreißer konnten erst am Tennosee wieder eingefangen und zum eigentlichen Ziel zurückgeleitet werden.

Die schon früher Angereisten waren da natürlich schon unterwegs und nachdem wir ja auch schon 6 Stunden abgesessen hatten, beschlossen wir, uns auf den mitgeführten Decken, die bei den "unter dem Spiti Schraubaktionen" immer so praktisch sind1 die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und natürlich das warm-werden des Bierhülsenvorrats durch erhöhten Konsum zu verhindern.
Uli (noch nüchtern) und Caro unterstützen das Gelage noch durch die Besorgung kleiner italienischer Köstlichkeiten. Völlig entspannt sahen wir also der Ankunft der restlichen Truppe entgegen. Hombre & F4 warteten mit einem natürlich geliehenen Mille Miglia-Wegweiser auf. (hätte ich auch gemacht, wenn ich schon keine eigene Startnummer bekomme) Bohrer Michi überraschte uns mit seinem Fremdkörper- Wrangler, an dessen Überrollbügel Helmut herumturnte (neue Carbootsurfer braucht das Land!). Ist aber auch spannender, als im eigenen Fremdkörper Benz.

Am nächsten Morgen schlossen sich fast alle der Erkundungsfahrt ins Joghurttal an. (Wer es auf der Karte finden will muß einfach nach dem Val Daone suchen). Der Weg führte uns über Fiave zu dem kleinen Passo Durone, der einen kleinen Vorgeschmack auf noch folgende Kurvenorgien bot. Weiter ging´s durch das Val d'lseo und dann gleich rechts ab ins Danonetal. Eine kleine Umleitung führte uns durch Praso, ein wirklich verschlafenes Nest, aber ich glaube, Dieter hat als Nachhut das Winken aller Bewohner huldigend entgegennehmen können.

Weitab vom Trubel des Gardasees genossen wir die Einsamkeit dieses schmucken Tals und rasteten zu dessen Hälfte an einer kleinen Bar mit Ausblick auf einen 50 Meter-Wasserfall. Dessen Anblick war der Besitzer schon gewohnt, nicht aber den eines guten Dutzends Spitis vor seiner Haustür, und so schnappte er seine Kamera und lichtete dieses großartige Ereignis für sich ab.

Wieder aufgesattelt setzten wir die Fahrt in Richtung Talende fort. Nachdem aber außer uns nur noch zwei Motorradfahrer in diesem Tal unterwegs waren, nahm der Wirt seine Tagesumsätze und sperrte den Laden kurzerhand zu. Diverse Kurven später näherten wir uns dem Stausee Lago di Malga Bissina an der 1700m Grenze mit einem gigantischen Ausblick auf den noch schneebedeckten 3400m hohen Miller der Adamello-Gruppe. Aus dem Tal wieder zurückgezogen führte uns die Route über lseo durch das Valvestino, eine für die Unterarmmuskulatur ziemlich anspruchsvolle Strecke, bei der sich die Behauptung, die kurvigste Straße der Welt sei in San Francisco, als schlichtweg gelogen herausstellte.

Wir reihten uns dann wieder ins Touristengetümmel am Gardasee ein -ganz entkommt man dem nie- und beendeten die Runde in Campione.

Nach dem Wilde-Hordenprogramm teilten sich die Wege der Truppe am Samstag. KL und Ralph zum Beispiel, arg gestresst vom Vortag, begaben sich zum Wellnessprogramm, die verfressenen Faulenzer (Uli, Swen, Caro und meine Wenigkeit) wanderten mit einem nicht unwesentlich mit Fressalien gefüllten Rucksack zu einem nahegelegenem Refugio, genialer Ausblick auf den Lago inbegriffen. Kaum überraschend stieß Uwe, der sowieso immer überall dabei ist, mit amtlichem Range Rover zu uns.(Sein Spiti braucht noch reichlich Liebe, Blech und Farbe).

Am Abend fanden sich dann so ziemlich alle zu einer feucht-fröhlichen Runde am Spitiparkplatz unserer Pension zusammen, wobei Ralph zu ungeahnten Höhen auflief. Die Veranstaltung schien also ohne größere Pannen vonstatten gegangen zu sein; sogar Werners selbstgefeilte Kurbelwelle, die sicher nicht geschont wurde, hatte die Reise gut überstanden.

ABER da war ja noch der Sonntag: Uli's rotem Baron fehlte es plötzlich an Vorschub. Noch etwas Fingerverbrennen am heißen Öl und die Diagnose stand fest: Der Auslassventilsitz an Zylinder Nummer 4 hatte sich gelöst! Aber bei einem Motor mit Charakter rüttelt sich das zurecht. Wenig später drang ein typischer Aufsetzerknall vom Heck an meine Ohren, aber im Rückspiegel war weit und breit keine Erhöhung zu sehen - Diagnose: Eine Blattfeder verweigerte knackend ihren Dienst! Aber die drei Verbleibenden brachten uns heil nach Hause.

Mit kleiner Freude, die ganzen Pappnasen nächstes Jahr weder zu sehen, reibe ich mir jetzt schon die Hände

Euer 616




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