Bericht Aus Info 111, Oktober 2002

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... neulich am Lago Maggiore


Von Gorg Twardon
Ich bin mit der Mitgliedsnummer 379 wohl einer der Club-Veteranen. In den letzten zwei Reiseberichten aus der Spitfire-Heimat habe ich mich als Karteileiche bezeichnet. Ich glaube, das kann ich jetzt mit meinem dritten Bericht sein lassen. Wie vielleicht noch bekannt, bin ich Marineoffizier. Zahlreiche Seefahrten ('91 - '97 ) und ein Kosovo-Einsatz ( '99 ) hatten mir in der Vergangenheit sowohl die Restaurierung verzögert als auch die eine oder andere Sommersaison versaut. Das bringt der Beruf so mit sich. Wie auch diverse Umzüge. In jedem Bericht hatte mein Spitfire bislang ein anderes Kennzeichen ... (erst CUX LK 12, dann SL CX 984 und jetzt schließlich KA JX 623) Seit einem guten Jahr habe ich nun mein Büro in Karlsruhe (!) und arbeite in der Öffentlichkeitsarbeit für die Bundeswehr. Leider habe ich es aber auch erst ein einziges Mal zum einem Treffen der OG geschafft. Sorry ... aber mein Terminkalender ist echt supervoll.

Inspiriert von Peter & Claudias Italienstory im Info 2-2002 hier nun mein Reisebericht von 2001. Wir hätten uns fast begegnen können, nur war ich erst Ende August unterwegs. Ja, ich schäme mich ein bisschen, weil's jetzt erst kommt. Aber ich hatte echt viel zu tun (s. o.).

Nachdem ich meinen Spitfire in einer langen und nervigen Überführungsfahrt auf Autobahnen - ich wage es kaum zu gestehen, weil der Wagen ja dafür nun wirklich nicht gemacht wurde - kurz vor dem eigentlichen Umzug von Flensburg nach Karlsruhe geholt hatte, ging es schon los. Er stand. In der dienstlichen Tiefgarage. Und stand und wartete auf Lücken in meinem Terminkalender. Höchstens mal Zeit für kleine Tagestouren im Schwarzwald oder rüber in die Pfalz, wenn das Wetter mitspielte. Und dann stand er wieder und wartete und hoffte auf bessere Zeiten. Die kamen dann endlich mit den Sommerferien, in denen meine "Kundschaft" glücklicherweise auch Urlaub macht. War früher ( s. o. ) eher das Spitfire Heimatland mein Reiseziel, so wollte ich jetzt einmal die Nähe zu den Dingern da im Süden - Alpen heißen die glaube ich -nutzen.

Ein Freund in Wasserburg (am Inn) lud mich ein, bei ihm Station zu machen. Also los. Aber keine Autobahn ! Erst einmal quer durch den Schwarzwald. Aber wo ist denn Wasserburg eigentlich ? Aha, südöstlich von München. Liegt ja nicht gerade auf dem Weg. Aber was soll's. Weiter querfeldein über Landstraßen durchs Voralpenland. Natürlich offen. So kann man es aushalten.

Am nächsten Tag in die Berge der - wie heißen die noch - richtig: Alpen. Der Spitfire und ich lechzen nach Kurven, Serpentinen, Pässen und so weiter. Die kommen reichlich: am Kochel- und Walchensee vorbei nach Österreich zum Fern- und Reschenpass fürs erste. Gegen 18:00 Uhr bin ich schon in Italien und suche erst einmal eine Unterkunft für die Nacht. Das war ein guuuuter Tag.

Und weiter geht's, frisch gestärkt vom üppigen Frühstücksbüffet. Zunächst über das Stilfser Joch in die Schweiz am Diavolezza (teuflisch, teuflisch ...) vorbei nach St. Moritz und weiter den Majolapass hinunter und wieder nach Italien zum Corner See. Ab jetzt nur noch auf kleinen Sträßchen, weiß oder höchstens gelb in der Karte eingezeichnet, südlich am Luganer See entlang noch mal kurz durch die Schweiz zum Lago Maggiore.

Wow, was für ein Fahren ! Diese Kurven und dann die Landschaft drumherum. Nur der eine oder andere Tourist stört; "Pass auf, Vatter, da is' ne Kurve ! Oh, schon wieder eine - und noch eine. Fahr" bloooooß vooooorsichtig !" Das kann einen schon fertig machen ! Und dann der Bus vor mir am Stilfser Joch. Viel zu groß ist der, muss in den Spitzkehren immer anhalten und zurücksetzen. Mist!! Da kommt dann trotz großen Herald-Kühlers nebst Ölkühler eine echte Spitfire-Schwäche durch: ÜBERHITZUNG. Warum muss denn auch die Vergaseranlage direkt über dem Auspuffkrümmer liegen. Das muss dann ja Dampfblasen geben. Es ruckelt immer mehr, es geht ja immer noch bergauf, und irgendwann geht nichts mehr Zum Glück an einer Stelle mit genügend Platz. Also Motorhaube auf und abkühlen lassen. Erst einmal Berge gucken. Mehr kann, und muss man auch gar nicht, machen. Sollte ich vielleicht mal in ein Hitzeschild investieren ? Immerhin bieten die vorbeifahrenden Zeitgenossen in ihren modernen Fahrgeräten freundlich an, mit ihrem Handy Hilfe herbeizuholen. Ein älterer Herr hält sogar und schaut etwas verklärt auf den Spitfire: "So einen hatte ich auch 'mal ..." Noch etwas geplaudert und nach einer knappen Stunde geht's wieder; so ein Spitfire braucht halt auch mal eine Pause.

Am Lago Maggiore ist in Laveno keine ansprechende Unterkunft zu finden. Also mit der Fähre hinüber nach Intra. Dort finde ich gleich in der erstbesten alten Villa eine schöne Pension ohne Durchgangsstraße vor dem Seeblick ( ich bin als Marineoffizier halt dem Wasser verbunden ...). Die ist so schön und dazu auch noch recht preiswert, dass ich da gleich eine ganze Woche bleibe. Das Wetter ist gut und trocken von oben. Deshalb wird nachts nur die Overnight - Persenning übergezogen. Das findet die Katze des Hauses offenbar so angenehm, dass die Stelle über dem Fahrersitz spontan zum Lieblingsplatz erkoren wird. Leider bin ich mit dem Fotoapparat trotz Autofokus nicht schnell genug ...
In dieser herrlichen Urlaubswoche wechselt sich nun immer höchst kurvenreicher Spitfire-Tag (Locamo, Cannero, Orta) mit autolosem Seefahrts- (Borromäische Inseln) oder Faulenzer-Tag im Garten der Villa ab.

Aber irgendwann wird eine Rückfahrt unvermeidlich, leider. Wegen der hübschen gelb eingezeichneten Straße am Ostufer des Lago Maggiore geht es noch einmal über den See. Mit der Fähre natürlich, weil der Spitfire zwar tiefflugtauglich aber nicht schwimmfähig ist.
Dann geht es bei gutem Wetter weiter über den Sankt Gotthard-Pass. Gott sei dank oben drüber und nicht drunter durch, denn es war ganz knapp vor dem tragischen Tunnel-Unglück.
Wegen fehlender Vignette natürlich auch weiterhin unter Vermeidung jeglicher Autobahnen am Vierwaldstätter See, am Zuger See und am Züricher See (ja ja, das Wasser...) vorbei immer weiter wieder quer durch den Schwarzwald nach Norden. Wer hätte gedacht, dass der Lago Maggiore, selbst über Pässe und Nebenstraßen, nur eine Tagesreise entfernt ist ? Das war ein schöner Urlaub. Durchaus zur Nachahmung empfohlen, wie auch Peter & Claudia feststellten.
Immerden richtigen Öldruck - und die richtige Betriebstemperatur...,

Georg.



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