Bericht Aus Info 112, Dezember 2002

Die Entstehung eines Kalenders oder wie wir zu Agenten wurden

Von Birgit, Dieter und Norbert

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So oder so ähnlich hat es sich zugetragen.

Es begann an einem Montag. Der Chat war erst wenige Tage alt und wurde nur sporadisch benutzt, anwesend waren unter anderen Birgit, "Kalendergirl 2002" im folgenden "Agent Angel" (englisch aussprechen) genannt und Ich (Agent N), als plötzlich das Codewort auf meinem Bildschirm in der Schriftart "Times New Roman" Größe 12mm zu lesen war

Kalender 2003

Die Schläfer sind erwacht, das vorprogrammierte Programm begann abzulaufen, keiner würde es verhindern. Zu diesem Zeitpunkt veränderte sich die Welt, nichts würde mehr sein wie es mal war, an "Agent D" unseren späteren Führer, Designer und Layouter war noch nicht zu denken. Er hielt sich noch im Hintergrund versteckt, um dann aufzutauchen wann es nötig war.

Die Buchstaben umkreisten meinen Bildschirm, ich war nicht fähig mich ihnen zu entziehen - Kalender 2003 - Agent Angel hat sich gemeldet, ich musste antworten, zögernd näherten sich meine Finger der elfenbeinfarbenen schmutzigen Tastatur. Mein Auftrag war klar formuliert, Agent Angel brauchte Hilfe, noch einmal konnte und wollte sie sich dieser Verantwortung nicht mehr stellen, ihre Lage war aussichtslos, weit ab im fernen Berlin, allein gelassen, nur mit ihrer schulpflichtigen, physikbegeisterten Tochter konnte sie den neuen Auftrag unmöglich allein erfüllen.

Ich tippte die verhängnisvollen Worte in meine Tastatur......

dann mache ich halt mit......

Es war geschehen, war meine Tarnung aufgeflogen? Hat jemand etwas bemerkt? Nein, es schien zu klappen, es war perfekt, wir waren ein Team.

Die Sache begann zu rollen. Meine erste Aufgabe war es, die Anforderungen zu ermitteln, eine kleine unscheinbare Notiz im Forum des 1. Spitfire Club Deutschlands brachte die Wende.

Agent D erkannte sofort unsere missliche Situation und über den geheimen Code wußte er sofort was zu tun ist. Unverzüglich nahm er per E-Mail Kontakt mit uns auf, von nun an waren wir zu dritt und ein unschlagbares Team.

Meine ersten telefonischen und schriftlichen Kontakte mit einer unbekannten Druckerei verliefen im Sande, offenbar kam uns irgendein östlicher Geheimdienst zuvor, es kam keine Antwort, sind dies erste Gegenmaßnahmen des Feindes? Wer will verhindern, dass wir 2003 wieder einen Kalender veröffentlichen? Ist es der Golfclub aus Norddeutschland, die BMW 3er Vereinigung aus Ankara?

Egal, wir machen weiter, Fahrer britischer Roadster sind hart, oder sollte ich sagen, sehr hart im Nehmen.

Was nun folgte, klang fast wie ein Märchen aus 1000 und 1 Spiti, unser Agent D entwickelte einen Schlachtplan ungeahnten Ausmaßes, seine Kontakte und seine unbeharrliche Ausdauer brachten uns die gewünschten Ergebnisse.

Kalenderblatt auf Kalenderblatt wurden entworfen, begutachtet und geplant, seine unermüdliche Schaffenskraft gipfelte schließlich in einem Werk, welches in der Kunstgeschichte seines gleichen sucht. Die ersten Layouts, die wir zur Begutachtung bekamen, waren für unseren Geschmack schon umwerfend, aber Agent D ist Perfektionist und arbeitete unermüdlich an Verbesserungen. Allerdings bemerkten sowohl Agent Angel, als auch ich, dass etwas nicht stimmen konnte. Das Datum deckte sich nicht mit den Wochentagen. Wollte uns Agent D etwas mitteilen? War es ein Flüchtigkeitsfehler? Eigentlich undenkbar, aber eine erneute Überprüfung bestätigte meine Entdeckung. Wie sollten wir uns verhalten? Den Fehler an die Kommandozentrale weiterleiten? Uns ruhig verhalten? Will uns jemand testen? Agent D würde zu einem späteren Zeitpunkt an diese Flüchtigkeit bitter erinnert werden! Agent Angel tat, was nur jemand mit einer unschuldigen Berliner Art tun kann, sie schickte eine Mail:

"Dat Datum is falsch, Dieter".

Nun gut, man hätte ihn auch sanfter auf seine Unbedarftheit hinweisen können. Genauso plötzlich wie er sie erhalten hatte, kam die Antwort zurück: "Iss schon klar, guckt ihr nach den Bilders ich mach das dann schon". Gut -- er hatte die Verantwortung übernommen, wir würden ihn nicht wieder kritisieren (zumindest noch nicht)

Ein Kalender, 12 Seiten in Farbe, Deckblatt S/W das Design stand, nun galt es, die Druckerei zu bestechen. Mit einem immensen Geldbetrag schaffte er es, seine Forderungen gewaltfrei durchzusetzen.

Dann, während einer kalten, nebligen Novembernacht, als ich wieder mal meine E-Mails abrief, fand ich folgende Mail, welche ich hier auszugsweise wiedergeben möchte:

"...ich habe heute den Kalender von der Druckerei geholt, der sieht nur scheiße aus, den können wir so nie verkaufen!!! Was nun???
Nein, nicht wirklich sche..., es soll Leute geben, die den so glaube ich, schon gut finden könnten.
Birgit ich will keinen Kalender haben, ich weiß ja wie die aussehen und kann mir nicht vorstellen dafür so viel Geld dafür auszugeben, da kaufe ich mir lieber Radblenden in Speichenfelgen-Optik aber da frage ich erst mal im Forum nach Erfahrungswerten.

In Erwartung Eurer Antwort ;Dieter"

Mist, nun war es passiert, eigentlich habe ich es nie für möglich gehalten, aber was nun?

Völlig aufgelöst, nur durch meine eiserne Willenskraft konnte ich die Tränen noch unterdrücken, schickte ich sofort eine fragende Nachricht an unsere norddeutsche Kommandozentrale.
Die Antwort auf meine Frage sah so aus:

"Hey Norbert,
hallo, ich bin es Dieter, wo bleibt denn dein Sinn für Sarkasmus, Humor, Witz etc.?
Du bist doch sonst der mit dem schrägen Humor.
Natürlich sehen die Kalender gut aus, wir haben das Deckblatt wie Ihr ja sicherlich noch wisst in einfarbig grau, dieses Deckblatt ist leider etwas dunkel ausgefallen, so dass ich erst enttäuscht war. Aber die anderen 12
Kalenderseiten in 4-farbig gedruckt sind schon schier geil."

Na gut Agent D, du hast es so gewollt, wir würden ihn nicht wieder kritisieren (zumindest noch nicht)

Was nun folgte ist so unglaublich, so geheimnisvoll, dass selbst Hitchcock es nicht hätte spannender machen können.

Um die Kalender aus dem Gebiet in der Nähe der holländischen Grenze über die Zonengrenze bis nach Berlin zu schmuggeln, schien uns die DBP als zu unzuverlässig; auch wären die Kosten ins Uferlose gestiegen, was tun?

Mit Hilfe seiner Tarnung als Farbenlieferant hat Agent D die Ware, als Verpackungsmaterial getarnt, in einer LKW-Lieferung eines Lieferanten als Handgepäck nach Osnabrück geschafft. Von dort wurde die Ware in einer geheimen Mission nach Bielefeld gebracht.

Dort hielt sich zufällig der Schwiegersohn von Agent Angel - Karsten- auf. Sollten wir ihn einweihen? Kann man sich auf einen Außenstehenden verlassen? Außerdem arbeitet er beim Zoll !! Aber wir hatten keine Wahl, er musste diesen Kurierdienst übernehmen!

Es war von Vorteil, dass er in der Szene noch völlig unbekannt war. Eigentlich sollte alles "top secret" ablaufen, aber es half nichts, wir mussten ihn einweihen.

Der Zeitpunkt des Transports wurde extra so gewählt, dass die Geheimdienste dieser Welt sich auf den Castor-Transport konzentrierten. An der Zonengrenze sind die Zöllner durch Mittelsmänner ersetzt worden, war natürlich ein gewaltiger Aufwand aber den Part hat Birgits Tochter -Jennifer- übernommen.

Es verlief alles planmäßig. Die Ware ist in der Hauptstadt, mit Umweg über die weltbekannte Aussteigerstadt Borgsdorf (aus Sicherheitsgründen wurde noch einmal das Fahrzeug getauscht) angekommen.

Die gedruckten Kalender müssen schnellstens verteilt werden, aber wie?

Agent Angel übernehmen sie. Der Rest ist Geschichte und ein Teil davon hängt in so mancher Spitigarage oder über den Schreibtischen harter Roadsterfahrer.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Personen und Handlungen sind nicht frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht zufällig, sondern so gewollt.

Prolog:

Natürlich wurde mir mein persönliches Exemplar, parallel zu der Gesamtlieferung mit einem berittenen Boten zugestellt, nun war der Zeitpunkt gekommen Agent D auf seine große, selbst gewählte Verantwortung hinzuweisen:

"Hallo Dieter,
habe heute den Kalender erhalten, super geworden ich bin begeistert...
aber dann sch.... das neue Jahr beginnt doch an einem Mittwoch, du hast immer betont, daß das noch geändert wird und jetzt? Wir sollten die Dinger schnellstens verkaufen und wenn sich einer beschwert so tun als wär's die Druckerei gewesen. Was meint ihr?
Gruß Norbert"

Ich wartete sehnsüchtig auf seine Antwort. OK er hatte mich reingelegt, aber rechtfertigt das diesen Anschlag? Womöglich würde er gerade bei einer Tasse schwarzem, starken, abgestandenem Kaffee sitzen und seine Mails durchlesen und dann das! Die Tasse wird unter dem Druck seiner Hände zerspringen, der Kaffee wird sich seinen Weg durch die Tastatur suchend über den Mahagonischreibtisch bis zu seiner sandfarbenen Jeans ergießen (oder so ähnlich). Seine (geplante) Antwort ist knapp, präzise und treffend:

"A.......H"

In Wirklichkeit hat er geantwortet wie es sich für einen zivilisierten, wohl erzogenen Mitteleuropäer gehört:

"Lieber Norbert,
du "zensiert", ver"zensiert", el"zensiert", gr"zensiert", ich könnte dich "zensiert", %&//((%&/, &/=)=)(&%%, $%&(&&/(.
Gruß Dieter"

Eure Kalendermacher, Krimiautoren und Agenten

Birgit, Dieter und Norbert

P.S.
Wir hätten natürlich, falls das mit dem verschobenen Datum gestimmt hätte, jeder Lieferung eine Flasche Tippex beigelegt.



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