Bericht Aus Info 116, Januar 2004

Unsere Spitfire... oder wie alles begann anders zu werden

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Von Bianca Verstegen und Hartmut Tschofen


Also eins mal vorweg: Wir gehören eigentlich zu den analytischen, klar strukturierten, ja kurzum, sachlogischen Menschen wenn es um Ausgabefaktoren geht. Zumindest muss es mal eine Zeit in unserem Leben gegeben haben als das noch so war. Jedenfalls waren wir so bevor da ein brummeliges, dunkelgrünes, tiefes Etwas mit Rädern auf unsern Hof kam. Doch greifen wir der Geschichte nicht vor....

April 2003

Alles schien in Ordnung und war es auch. Draußen regnete es, wir saßen auf der Couch, hörten Musik und tranken einen angenehmen, dunklen Rotwein. In Köln war alles ruhig, der Dom wackelte nicht, der Rhein machte keinen Ärger und überhaupt war alles im Gleichgewicht. Plötzlich sagte, die Frau, die ich über alles liebe: "Ich finde wir sollten uns nach einem andern Auto umsehen und ich finde wir sollten uns mal was suchen, was Spass bringt ... etwas was sich abhebt .... etwas was klein und wendig ist ... ja und wenn es dann noch einem Cabrio ähnelt, dann käme dies in die richtige Richtung" .... erst mal eine Pause des Erstaunt-Seins ... dann ein erstes Schmunzeln ... und dann: "Ok...schau'n wir mal durchs Internet, was es da so gibt"

Gesagt, getan, den Compi angeleiert und schwupps rein bei mobile.de. Da gab es Golf's, Astra's, Peugeots, Daimlerchen .... da gab es echt viel! Doch....alles lag so zwischen viel zu teuer bis lächerlich - unvorstellbar viel zu teuer und zudem alles irgendwie recht muffelig und hässlich ... so schickimicki eben .....

Ich bin 1961 geboren, kannte noch ein Straßenbild mit abwechslungsreichen Formen und ich träumte schon immer von einem offenen Engländer .... also versuchte ich Bianca den Gedanken näher zu bringen. Ich dachte nicht im Geringsten, dass dies von Erfolg gekrönt sein könnte. Ich sprach so Sachen aus wie: MG's, Riley, Triumph, Austin ... Bianca hatte eine vage Vorstellung, fragte aber gleich nach wie da wohl die Unterhaltungskosten aussehen würden, geschweige denn Reparaturrisiken etc...

Aber dennoch würde sie gern mal so ein Auto sehen. OK ... also: Triumph eingetippt, Preisgrenze rein, als Modell Spitfire und klick! Gespanntes kurzes Warten ... 18 Fahrzeuge im Angebot! Aha..da gibt's welche mit Bildern ... click ... klotz ... staun ... freu!!!

Triumph Spitfire MK IV 1500, rot, schwarze Innenausstattung usw ... Bianca verkündete plötzlich Bemerkungen, die so völlig inkonsistent zu ihrer eben noch dargebotenen Auffassung standen. So Sachen wie: WOW, UI, ist der schön ... Nää watt Formen! Ob ich so watt fahren könnt? Watt fressen die denn so? Awwer Rot iss nix, kuck ma ob edd den in Grün jibbt!

Scroll .... kuck... click... : JIBBET !

Triumph Spitfire MK IV 1500, british racing green, beigefarbenes Leder, schwarzes Stoffverdeck, Wolfrace und .... zwei Betrachter, die ihren Bildschirm fast auffraßen. Erst mal noch ein Weinchen .... dann ich: Da ist ne Telefonnummer mit bei. Bianca: Watt hat der dann gelaufen? Ich: hier steht 40.000 km aber im Text ist was von 12.000 Meilen ... verwirrend nicht? Sie: ja ... komisch, aber der ist ja wuuuuunnnnderschön. Also an genau so was hab ich gedacht.

Ich: hm ... lange Pause ... Wein schlürf ... noch mal hm.... und dann: Also Schatz es heißt zwar der Roadster aber nicht der Spitfire sondern die! Ich hab mal gelernt dass viele Roadster in Englischen weiblich sind und schwall schwall schwall.... Sie: Hall mal datt Kläppchen, krieg dich ein und druck ma aus...

Dann saßen wir wieder auf unserer Couch, nippten Wein und kamen zu dem Schluss, dass dieses Fahrzeug das vorstellbare Maximum an Schönheit in Blech darstellt; wir aber einen Teufel tun werden uns so ein altes Auto aufzuhalsen von dem man nicht weiß was da alles auf einen zukommen kann ....

..... Zwei Stunden später ertappten wir uns bei Eingeständnissen darüber, dass wir britisches mögen, dass wir uns einen geflochtenen Picknickkorb vorstellen... karierte Decken zum draufsitzen und all so was ... der Wein musste auch schon einem Whisky weichen... Wir sahen uns an ... lange .. prüfend ... stumm fragend ... jene Art der nonverbalen Kommunikation ... ich sagte: mach mal die Musik aus, das stört beim Telefonieren ....

Mai 2003

Nach einigem Hin und Her sowie Vergewaltigungen des Zeitplanes kam es dann zum Besichtigungstermin. Immerhin mussten wir dafür von Köln nach Irgendwo-hinter-Nürnberg fahren. Da stand das grüne Blech .... schon beim Aufziehen des Garagentores ... gerade als man ein erstes Blinkerchen erspähen konnte ... da regte sich was in uns....

Traraaaa!!! Da bin ich! .... schien sie uns zuzurufen .... Der Eigentümer, oder besser gesagt dessen Sohn, blubberte uns sofort voll mit all dem Schönen was das Auto zu bieten hat ... wir hörten genau hin und schlichen um das Auto rum ... dann wurde die Edelste unter sonorigem Brummeln aus der Garage heraus gefahren, damit wir besser kucken konnten. Dieser Sound! Diese leichtfüßige filigrane Machwerk begnadeter britischer Konstrukteure und Designer ! Fragen nach Löchern im Blech, Fragen nach Lenkung, Getriebezustand, Motorleistung- und zustand ..... etc .... Fehlanzeige!!! Der Sohn des Besitzers blubberte und blubberte und wir lauschten erlegen seinen Ausführungen. Eine kleine Probefahrt ... ja ok ... das Getriebe rauscht ein wenig ... watt soll's .. iss eben alt ... wird schon nix Schlimmes sein ... der Auspuff rappelt beim Abstellen des Motors ... was solls?? Ein Schräubchen festziehen.. no problem ... so was hab ich doch früher bei meinen alten Autos Samstag auch immer mal gemacht ..... jajaja ....

Wir fuhren nach Hause. Wir riefen nächsten Tag an, mailten eine Kaufbestätigung zu und das war's! Wir waren fast schon Spitibesitzer. Zwei Wochen Später standen wir wieder in dem Minidorf in Franken ... reisten mit der Bahn an, wurden arg verspätet am Bahnhof Nürnberg abgeholt ... wurden wieder vollgeblubbert und dann irgendwann mal ans Auto gelassen .... Vertrag gemacht .... Viele Euro's durchgezählt .... Verdeck runter ... die schon vorher gekauften Mützen und Brillen parat .... Schlüssel rum und .... juhei!!!

Schnell mal tanken, Bleizusatz nicht vergessen ... so ging's los.... Und was hat es Spass gemacht.... da rappelt was anderes als letztes mal .... lenkt sich so hakelig ... iss bestimmt normal ... iss eben alt.... Endlich auf der Autobahn angekommen ... mit 3500 bis 4000 U/min im vierten ... ach ja, das Tacho begann nach wenigen Minuten Fahrt zu spinnen ... fühlten wir uns nicht nur saumäßig genial tief an der Straße sondern grinsten auch breiter als sonst. Aber nur kurz ... denn es kam Regen auf. No problem! Dach zumachen und Scheibenwischer an.

Tja ..... Dach zumachen? Ok es ging, aber es war eine Tortur, denn alles hakte, klemmte und ging irgendwie schlecht ... aber dann war's zu und rinn in de joode Stube ... losfahren! Der Regen wurde stärker. Scheibenwischer ein! Doch was das??? Keine Reaktion! Ahnungslos wie ich damals noch war sagte ich in beruhigendem Tonfall: Ach hab ich gleich ... ist bestimmt nur ne Sicherung! Also Parkplatz suchen ... Sicherungskasten suchen ... Sicherungskasten finden ... entsetzt zusammensinken!!! (geht ja leicht ... ist ja dann nicht mehr weit bis zum Boden)

Ich krabbelte wieder ins Cockpit sah die Frau, die ich über alles liebe sehr ernst an und verkündete: Jetzt kriegen die aber mächtig Mecker!!! Wir haben ein echtes Problem!!! Sie: Ist was kaputt, was wir hier nicht hinkriegen können? ... Offen gestanden wußte ich das da noch nicht so genau ... Also Wischer einschalten, Motor aber auslassen und genau hinhören .... heh! Da bewegt sich was .. oder es würde sich was bewegen wenn es dürfte so wie es wollte ... also kein Sicherungsschaden (war mir auch ganz recht ... irgendwie sahen die Dinger für mich so aus als sollte man sie einfach in Ruhe lassen) muss was mit dem Wischermotor sein ... der aber lief! Frei und ungehindert! Was ist das für ne art Stange oder Rohr was da nach drinnen geht? Aha!! Da klemmt es bestimmt.... da fiel mir auch ein, dass ich nicht mal einen Schraubenzieher eingesteckt hatte ... und es fiel mir ein, dass man uns sagte es sei alles in bester Ordnung... und weiter fiel mir ein, dass sich Sheila ... ähäm.. so hieß sie mittlerweile schon .... sich verdammt schwer schaltet seit sie warm ist, dass da so ein lautes Krächzen ist wenn man die Kupplung tritt, die Leerlaufdrehzahl seit Betriebstemperatur mal sehr hoch und superniedrig ist... und dass ich, mittlerweile schon völlig durchnässt, wie ein Idiot an der Autobahn rumstehe ....

Zorn beschreibt es nicht wirklich was ich da fühlte und man möge mir Glauben schenken, dass ich bis heute kein Wort dafür gefunden habe.

Also!!!! Nummer des Verkäufers ins Handy, sorry have to speak english now, ins Mobile eingetippt und dann woll'n wa abba mal meine Herrn, was???

Nö! Nix da! Tuuuut …. tuuuuuuut… tuuuuut… keiner da! Anrufbeantworter auch nicht mehr da!! Handy's der Verkäufer : Auch nicht mehr da!

Vor meinem geistigen Auge spielten sich kleine Filmsequenzen ab:

Szene 1:ein Spiti fährt vom Hof, verschwindet hinter einem kleinen Hügel und zwei Vorbesitzer fallen sich lachend in die Arme.

Szene 2: Die Vorbesitzer beginnen zu tanzen, Purzelbaum zu schlagen, so Sachen zu singen wie: Der Vollidiot! Oder: Ein selten blöder Hirnie usw. Die Songliste wird durch einschlägige, umgangssprachliche Begriffe aus der Primitiv-Terminologie ergänzt.

Szene 3: Feixtänze, der Vorbesitzer steigern sich bis zu ekstatischen Anfällen. Die Vorbesitzer wälzen sich auf der Straße und werden von einem Krankenwagen abgeholt.

Szene 4 : Auch nach einigen Kilo Beruhigungsmitteln zucken die Vorbesitzer immer noch in ihren Krankenlagern (sie wurden mittlerweile angeschnallt). Dann fallen sie völlig erschöpft in ein tiefes Coma.

Szene 5: eine mir bekannte Hand in einem schwarzen Handschuh greift zum Stecker der Maschinen und schaltet die lebenserhaltenden Systeme ab. Im Hintergrund läuft leise die Titelmusik von Psycho I.

So ein Scheiß !!! ....ruft die Frau, die ich über alles liebe aus und reißt mich aus meinen wohligen Tagträumen.

OK Leute, wir waren entsetzliche Anfänger. Wir waren sogar so blauäugig, dass wir noch einen Abholtermin für ein Hardtop in Wetzlar vereinbart hatten und wollten gleichen Abends noch in Meerbusch bei Düsseldorf auf einer Geburtstagsparty sein .... Doch nun standen wir irgendwo bei Nürnberg...es hat sich eingeregnet, Samstag mittag....Nach einer kurzen Kontrolle unterm Armaturenbrett: Das Wischergetriebe ist im Eimer.. .da geht so gar nix. Also einen Wischer vom Antrieb abziehen... Jacke überziehen... Fenster unten lassen, losfahren und hin und wieder mal mit einer recht sportlichen Armbewegung den Wischer über die Scheibe schaben... sich wenige Sekunden an der Sicht freuen und wieder eine sportliche Armbewegung einleiten.... usw.... die nächsten 320 km!

Es ist 22:00... wir sind in Wetzlar... der Verkäufer des Targa-Hardtops hat auf uns gewartet... er hat Werkzeuge parat liegen und er ist ein obergenial - enthusiastischer Schrauber! Vater und Sohn haben eine super Hobbywerkstatt... einfach komplett mit Alles!!!! Diese Leute haben uns sehr geholfen. Das Verdeck abgebaut und dem Vorbesitzer alle Knochen im Leib verflucht.... die Wetzlaer haben dann erst mal neue Schrauben aus Ihrem Sortiment genommen, haben da irgendein Teil noch schnell gedreht, anderes abgeschnitten usw... rege Betriebsamkeit...aber ich durfte nicht an unser Auto...ich wurde mit Kaffee und Kippen ruhig gestellt... und ich sollte mich ausruhen... ich sah auch wohl echt fertig aus. Dann Hardtop anbauen. Uff... da klappt was nicht... Schrauben zu kurz... Da fuhr der Sohn des Oberschraubers tatsächlich.... es war mittlerweile Mitternacht.... 30 km weit um... weiß Gott von woher, passende Schrauben beizubringen... geschraubt... fertisch!!! Das Scheibenwischerthema hatte ich nicht erwähnt... die Leute hätten bestimmt geholfen, aber sie hatten echt schon mehr als genug getan. Wir bezahlten das Hardtop... wollten noch was mehr loswerden... doch das verweigerte man auf das Schärfste. An dieser Stelle ein herzliches Danksschön an die beiden Wetzlaer Oldtimerfreunde. Gäbe es mehr von euch, wäre diese Welt nicht so ein Schrotthaufen! Klar, dass es immer noch regnete... doch mein linker Arm arbeitete mit stoischen Bewegungen die noch vor uns liegenden, weiteren 290 Kilometer ab.

Unsere Sheila stotterte und sprutzte hin und wieder. Wir mussten auch Zwangspausen einlegen, denn wir wollten nichts riskieren. Na ja, so gegen 4:30 waren wir dann zu Hause.... und was passierte da? Klar! Gerade als wir im Haus waren und uns auf die Couch fallen ließen hörte es auf zu regnen und es sollte dann gaaaaaaaaanz lange nicht mehr regnen....

Diese Geschichte ist hier noch lange nicht zu Ende, doch so viel sei gesagt ; dass Derartige Erlebnisse führen entweder zur totalen Ablehnung oder aber zu dem wozu wir uns fest entschlossen haben : Nie wieder ein Leben ohne alten Engländer!!! Denn trotz allen Problemen ließ es doch den Spaß erah-nen!

Grüße aus Köln
Bianca & Hardy

 



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