Bericht Aus Info 121, April 2005

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Produktwarnung : Kipphebel

Unsere Produktwarnung in diesem Heft ist eigentlich ein alter Hut, zumindest für die Mitglieder in unserem Forum. Aber da ja nicht jeder im Internet herumstöbert möchte ich diese Produktwarnung auch hier im Info loswerden.
Es geht um die Kipphebel . Leider ist deren Qualität in den letzten Jahren rapide gesunken und hat mittlerweile einen traurigen Tiefpunkt erreicht.
Vor einigen Jahren warnte man noch vor der ungehärteten Kipphebelwelle, nun sind auch noch die Kipphebel selbst zu weich.
Manchem Händler ist das Problem bekannt, ich kenne auch einen Händler der die Kipphebel aus diesem Grund komplett aus dem Programm genommen hat. Ändern tut dies aber leider auch nichts und dadurch bekommen die Kipphebel auch keine bessere Qualität.
Auslöser für diese Produktwarnung war die Überprüfung von "nagelneuen" Kipphebeln an meinem frisch überholtem Motor, der gerade mal 4000 Kilometer gelaufen war. Nachfragen im Forum bestätigten meine Befürchtung und etliche Leute hatte das gleiche Problem mit den Dingern.
Sicherlich haben einige von Euch noch mehr oder weniger gute, gebrauchte Kipphebel im Keller rumliegen (so wie ich auch) und vermutlich fragt Ihr Euch irgendwann einmal, ob dies nun originale ( also uralte) oder nachgebaute Kipphebel sind? Ich fand in meinem Ersatzteilelager einige Sätze alter Kipphebel und so konnte ich einige kleine Unterschiede feststellen. Dieser Bericht soll Euch anhand von Fotos bei der Unterscheidung helfen, vielleicht liegen ja noch ein paar "gute" Kipphebel bei einem Händler rum?

Ich hoffe, dass man die Bilder gut erkennen kann und los geht's :

Bild 6: Nachbaukipphebel nach nur 4000 Kilometern:

 

Hier sieht man die Auswirkung des Hauptproblems: die Auflageflächen für die Ventilschäfte sind viel zu weich ( = ungehärtet) und die Riefen sind fast 1mm tief ! Diese Kipphebel sind bereits schrottreif !!! Verwendet wurden 1500er Ventilfedern OHNE innere Feder, zu harte Ventilfedern kann man also getrost ausschliessen. Zu hohe Drehzahlen wurden auch nicht genutzt, der Motor war ja nagelneu !

Bild 1 : ungleichmässig geschnittenes Gewinde:

 

Hier kann man (hoffentlich) deutlich erkennen, dass die Fase vom Gewinde unterschiedlich weit bzw. tief geschnitten wurde. Kein Problem? Na, ja, dann schaut mal das nächste Bild an:

Bild 2: unterschiedlich tief einschraubbare Kugelköpfe

 

Kleine Ursache, grosse Wirkung ! Auch an den Kugelköpfen wurde das Gewinde unterschiedlich weit geschnitten. Dies bewirkt, dass die maximale Einschraubtiefe um lockere 2mm variiert ! Je nach Motorenzustand braucht man aber jeden mm, bei mir verursachten diese fehlenden mm eine verbogene Stößelstange und ich konnte kein Ventilspiel mehr einstellen. Daher mein Rat: vor der Montage grundsätzlich ALLE Kipphebel mit einer grösseren Fase versehen und die max. Einschraubtiefe aller Kugelköpfe vor dem Einbau kontrollieren !

So, nun wissen wir also dass die Kipphebel am Kopf ungehärtet sind und somit viel zu weich. Diesen Fehler können wir leider nicht beheben ! Die zwei anderen Fehler (ungenaue Fase bzw. Gewinde) kann man relativ leicht selbst beheben.
Aber was kann man tun, wenn man nicht jeden Herbst die Kipphebel wechseln will? Selber die Dinger nachhärten? Diese Möglichkeit wird im Laufe des Jahres geprüft, aber eigentlich wäre es sinnvoll wenn die Händler dies tun würden ! Uns bleibt wohl nur, diesen billigen Müll nach einer Saison zu überprüfen und ggf. an den Händler zurück zu senden.
Ich habe in mein Ersatzteilelager gegriffen und alte Kipphebel wieder eingebaut. Diese sahen nach vermutlich über 50.000 KM noch viel besser aus als der nachgebaute Müll.

Nun folgen noch ein paar Bilder, woran man die Nachbauten erkennen kann.
WICHTIG: dies ist ein Vergleich meiner Kipphebel, es kann durchaus sein dass es noch andere Hersteller (mit anderen Merkmalen) gibt !!! Vergleicht doch einfach meine Angaben mit den Kipphebel aus Eurem Lagerbestand und falls es noch andere Kipphebel gibt......einfach im nächsten Info bekannt machen, ok?

Unterschiede:

Bild 3: Kipphebelunterseite

 

Ganz leicht erkennbar: links der Nachbau mit ungeschliffener Oberfläche, rechts ein "Original". Links kann man auch die von mir nachgeschliffene Fase erkennen.

Bild 4: Kipphebelunterseite Mitte

 

Bei den originalen Kipphebeln ist immer eine Nummern- Zahlenkombination erkennbar.
Bei den Nachbaute fehlt diese komplett.

Bild 5: Kipphebel Oberseite

 

Auch hier erkennt man die Einsparungen: der Nachbau wird auf der Oberseite nur plan geschliffen, bei den originalen Kipphebeln geht die geschliffene Fläche in eine Rundung über....hm, schlecht zu erklären aber man sollte es erkennen?

Und nun ???? Tja, was soll man zu diesem Thema sagen? Ich werde einen alten und einen neuen Kipphebel untersuchen lassen um die Härtegrade zu überprüfen / zu vergleichen und ob man die Kipphebelspitzen nachhärten kann. Wir als Endverbraucher ( im wahrsten Sinne des Wortes) können nur die miserable Qualität bei den Händlern anmeckern, die Kipphebel mind. jährlich kontrollieren und ggf. den Müll zurück schicken.
Vielleicht erbarmt sich ja doch ein Händler und versucht bei dem Hersteller eine bessere Qualität anzufordern? Eine rollengelagerte Kipphebelwelle ist jedenfalls keine "echte" Lösung, denn damit umgeht man das Problem nur, gelöst wird damit rein gar nichts.

P.S. Es wäre nett, wenn sich auch weitere Info- Leser an dieser Aktion "Produktwarnung" beteiligen würden, denn nur so werden Schwachstellen bzw. billigste Nachbauten bei sehr vielen Spitibesitzern bekannt und nur so haben wir eine kleine Chance, etwas zu bewegen.

Viele Grüße von der Werkbank, Jürgen

 




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